Buchrezension
Gespräche mit der Göttin

Im Herbst letzen Jahres ist ein ungewöhnliches Göttinnen-Buch einer bisher recht unbekannten deutschen Autorin erschienen: Gespräche mit der Göttin von Christel Katharina Deutsch. Christel Katharina Deutsch ist Heilpraktikerin und Gesprächstherapeutin - inzwischen 70 Jahre alt, lebt in der Nähe von Berlin. Christlich geprägt, mit nicht einfacher Lebensgeschichte, entdeckte sie über den Umweg der Bachblüten und der Forschung nach dem keltischen Wissen um die dort verwendeten Pflanzen, schließlich die Große Göttin. Letzten Herbst nun erschien der Dialog, den sie mit der Göttin führte und niederschrieb.
Ungewöhnlich ist das Buch deshalb, weil es ausschließlich diesen Dialog, diese Gespräche enthält. Christel Katharina Deutsch, die Fragen stellt und die Göttin, die antwortet. Es ist nicht etwa eine fiktive oder aus pädagogischen Gründen erdachter Dialog, sondern ein echter: gechannelt, meditativ, wie immer man es nennen möchte. Eine ganz andere Art, die Göttin zu erfahren. Anfangs beim Lesen sehr skeptisch wurde ich recht bald von meinem Gefühl, meiner Wahrnehmung und nicht zuletzt meinem Wiedererkennen davon überzeugt, dass die Gespräche echt sind.

Es ein authentisches Dokument einer Göttinnenfrau "von nebenan". Ein Buch, das vielleicht für einige Initialzündung oder "Heimkehr"- Anlass sein kann - ein Buch, dass Gold wert sein kann, wenn es aus dem Regal vor die Füße fällt.
Das Buch ist sehr persönlich. Es spiegelt die Göttin, wie Christel Katharina Deutsch sie sieht und erkennt und versteht. Sie stellt die Fragen, die Göttin antwortet. Ihre Fragen ergeben sich aus ihrem sozialisierten esoterischem (unmagischen aber keltisch orientierten) Weltbild, dem starken Einfluss der christlichen Religion und ihrem Leben. Sie fragt nach Politik, Alltagsproblemen, viel nach christlichen Lehren, Geschlechterverhältnis, danach, warum die Welt so schlecht ist, nach Okkultismus, Engeln und Außerirdischen. Die Autorin gibt auch ihren Zweifeln und ihrer Skepsis Ausdruck. Auch die Antworten sind geprägt von den Fragen - denn die Göttin antwortet in der Bildsprache, der Sprache und den Zusammenhängen, die die Fragende kennt und versteht. Die Sprache zwischen der Göttin und mir ist eine komplett andere als die zwischen der Göttin und Christel Katharina Deutsch und eine andere als die zwischen dir und der Göttin. Kritisch finde ich an dem Buch, dass genau dieses nicht thematisiert oder erklärt wird. Die Leserin / der Leser wird direkt hinein geworfen in den Dialog, es gibt weder vorher noch nachher eine Einordnungshilfe, oder Hinweise, was mensch damit tun könnte, oder wie mensch selber solche Erfahrungen machen kann.
Der einzige Hinweis auf diese Thematik, die aber für mich grundlegend für das ganze Buch ist, kommt von der Göttin selber auf Seite 182ff:
 

"Ihr seid noch nicht in der Lage, die göttliche Wahrheit ganz zu begreifen. Die Gottheit gleicht dem, der Kanal ist, nach seinem jeweiligen Stand dese Wissens und der Erfahrung, die er in vielen Inkarnationen gewonnen hat, die vermittelte Wahrheit an. Verstehst du, es kann nichts gelehrt werden, was dem Verstand unbekannt ist. Wenn ich mit einem jungen Kind über die Evolution spreche, muss das in Worten geschehen, die es versteht, oder es müssen Metaphern verwendet werden, deren Bedeutung sich dem kindlichen Geist öffnet. Da diese "Auslese" getroffen werden muss, kann nicht d i e Wahrheit vermittelt werden. Ihr Sinn bliebe dunkel, viele Worte würden ungehört verhallen, weil sie mangels Erfahrung nicht vom Verstand in Wissen umgesetzt werden könne. - Meine Kinder sind immer noch Kinder, sehnsüchtige zwar, aber auch - widerborstige Kinder.

Versuchst du mir gerade klarzumachen, dass alle vermittelten Botschaften nur unter Vorbehalt aufzunehmen sind?

Es wird in j e d e Botschaft die menschliche Persönlichkeit des Übermittlers einfließen.

Wie kann denn dann die Wahrheit von Lug und Trug unterschieden werden?

Prüfe nicht so sehr die Botschaft, sondern prüfe dein Herz. Wenn es hinter den Worten das reine Wissen vernimmt, wird es jubeln. Die Stimme der Gottheit hat eine eigene, klingende Energie. Du wirst sie vernehmen, und das Gehörte oder Gelesene wird dich glücklich machen."



Für mich beinhaltete das Buch einige Denkanregungen - aber ungewöhnliche. Da meine Lebenswirklichkeit von der der Autorin sehr stark abweicht.. war ich die meiste Zeit war ich damit beschäftigt, mir eine Übersetzung zu suchen, abzugleichen - ich kam mir vor wie im Fremdsprachenkurs. So habe ich mehr über die Autorin als über die Welt und die Göttin gelernt. Mit ähnlichem Background wie die Autorin ist das Buch sicherlich effektiver und ansprechender. Mit Sorge erfüllt mich allerdings der Gedanke - hoffentlich zu Unrecht - dass mensch eine solche Art von Buch - das fast "direkte" Wort der Göttin sehr leicht zu neuen Dogmen, Regeln und -Ismen missbrauchen könnte. Vielleicht ist dies aber auch einfach nur die Assoziation und unberechtigte Angst einer sehr freifliegenden eher wilden Göttinnenfrau.
Mein Herz erkannte deutlich, das Buch ist echt. Es war zeitweise berauschend, dann irritierend, die Stimme der Göttin auf diese Weise zu hören.

 

"Ich bin immer bei euch Ihr denkt mich nur in die Ferne. Ich bin in euch und ihr seid in mir. Wir sind eine Einheit... Erinnert ihr euch an mich, erinnert ihr euch gleichzeitig auch an die euch innewohnende göttliche Macht. Die Bitte an diese göttliche Macht in euch ist der Schlüssel zur Hilfe und zur Veränderung." (S. 282)



Möge das Buch zu denen finden, denen es hilft.

Jana
März 2006